Ich stelle diese Frage nicht rhetorisch. Ich stelle sie, weil ich das Muster seit 26 Jahren in Workshops, Trainings und Gruppenarbeiten beobachte – branchenübergreifend, vom Mittelstand bis zum Konzern.
Die Szene ist vertraut: Die Aufgabe ist gestellt. Die Gruppe formiert sich. Und dann – oft ohne ein Wort darüber – greift eine Frau zum Stift. Sie steht am Flipchart. Sie schreibt mit. Sie hält den Faden. Während andere diskutieren, priorisieren, entscheiden und präsentieren.
In gemischten Gruppen erlebe ich das in etwa 85 Prozent der Fälle so: Die Rolle der Assistentin wird Frauen zugewiesen – oder sie nehmen sie selbst. Und dann behalten sie sie.
Nicht, weil sie „besser schreiben“. Nicht, weil sie „organisierter“ sind. Sondern weil diese Rolle oft unausgesprochen bleibt: Wer schreibt, strukturiert mit – und steht gleichzeitig leicht im Hintergrund. Wer präsentiert, wird gesehen. Wer den Stift hält, wird gebraucht. Beides ist Arbeit. Nur eines davon wird später erinnert.
Das Muster beginnt klein. Ein Flipchart. Ein Protokoll. Die nächste Agenda. Die Dokumentation nach dem Meeting. Aus der hilfreichen Geste wird eine Rolle. Und Rollen haben die Eigenart, zu bleiben – wenn niemand sie bewusst wechselt.
Ich werte das nicht. Ich mache es sichtbar. Denn Sichtbarkeit beginnt oft genau dort, wo niemand hinschaut: bei den kleinen, wiederkehrenden Aufgaben, die Teams „einfach so“ verteilen.
Was Sie als Nächstes beobachten können
Beim nächsten Workshop oder Meeting reicht eine Frage – bevor der Stift fällt:
- Wer schreibt heute?
- Wer präsentiert?
- Wechseln wir die Rollen bewusst?
Manchmal reicht schon, das Muster auszusprechen. Dann entsteht Wahl statt Automatismus.
Und Sie?
Wie ist Ihre Erfahrung? Sehen Sie dasselbe in Ihren Teams – oder erleben Sie es anders?
Schreiben Sie mir gern: kontakt@erfolgsfaktor.com · 02161 648666
Christiane von Schönberg